Haben die Knörrs eigentlich noch alle Tassen im Schrank?!


Nun ja - wahrscheinlich nicht. Aber lassen Sie uns das genau untersuchen.

Betreten wir also zunächst die Knörrsche Küche.

Oh!
Es ist festzustellen, dass sich die Knörrschen Tassen de facto keinesfalls überhaupt in einem Schrank befinden - was die Klärung der Ausgangsfrage erheblich erschwert. Doch lassen wir uns nicht entmutigen und nehmen wir, exemplarisch, beispielsweise Michas dienstälteste Tasse unter die Lupe. Die muss es ja wissen!


Hier also eine schöne Seitansicht des fraglichen Stückes.

Micha erwarb es 1991 nach langer, unentgeltlicher Nutzung gebraucht beim Möbel- und Kleiderdienst in Offenbach, am Ende seines Zivildienstes. Die Tasse befand sich in gepflegtem und gutem Zustand und harrte der Dinge, die da auf sie zukämen. Schon bald wurde sie von Michas illustren Besuchern als das erkannt und berühmt gemacht, was sie wirklich war:

Ein Kunstwerk ohne Seinesgleichen.

Folgerichtig begann eine beispiellose Karriere. Obwohl als unauffällig, solide und bescheiden konzipiert, stand die Tasse schon bald ob Michas Gegenwart häufig im Rampenlicht. Eine Aufgabe, die sie souverän und ohne sich eine Blöße zu geben meisterte - eine Selbstverständlichkeit ob der ganzheitlich kongenial geschaffenen Erscheinung des edlen Gefäßes.
Als sowohl zeitgenössisch als auch traditionellen Werten verhaftet waren die liebevoll gestalteten Details der Tasse zu bezeichnen. Dabei wurde niemals die Funktionalität und Benutzerfreundlichkeit aus den Augen verloren. Exemplarisch sei hierfür der sehr gelungene und oft kopierte Henkel genannt.

Gastauftritte in den Showrooms von Colani, Ritzenhoff und anderen sowie die Teilnahme an mehreren Design- und Haushaltsmessen folgten zwangsläufig.

Die Oberflächengestaltung der Außenseite, einhergehend mit der harmonischen Farbgebung, stellte eine weitere Herausforderung an die Planer der Tasse dar, die gleichwohl bravourös gelöst wurde.

War das Äußere der Tasse für die Hand glatt und widerstandslos, so konnte sich das Auge an der aufgelockerten optischen Gestaltung erfreuen. Zahlreiche farblich fein aufeinander abgestufte und mit Meisterhand platzierte Sprenkel machten das Betrachten der Tasse zu einem visuellen Erlebnis, für das nicht wenige Bewunderer weite Anfahrten auf sich nahmen.

Hier links kann auch der unbedarfte Betrachter unschwer erkennen, dass der in einmaliger Schönheit konzipierte und meisterhaft ausgeführte Rand der Tasse viele Kenner und Kaffeetrinker geradezu in Entzücken versetzte. In Farbe und Form genau dem Corpus angepasst verbindet er vollkommenen Trinkkomfort mit höchsten ästhetischen Ansprüchen. Die klassische Kreisform mag dabei als Symbol für die zeitlose Perfektion des Werkstückes angesehen werden.
Die Gesamtschau aus der hier gebotenen Vogelperspektive zeigt einmal mehr die Vollkommenheit des Erscheinung. Besonders gut zu erkennen ist hier die feine Abstimmung aller Proportionen aufeinander, die den Bedürfnissen genau angepasste Wanddicke des Corpus sowie als Höhepunkt die ergonomisch glatte, den Fließvorgang des Heißgetränks begünstigende Tasseninnenfläche. Ungezählte Liter heißen Kaffees, Kakaos sowie die eine oder andere Honigmilch fanden effizient und ungehindert ihren Weg über die polierten Innenseiten dieses edlen Gefäßes hin zu den erwartungsvoll geöffneten Lippen des genießenden Glücklichen.

Während die Haute Couture von gestern schlichten, seelenlosen und uniformen Behältnissen von Edelstahl und ähnlich banalen Werkstoffen huldigte, wurde hier auf derlei Einheitsmaterialien bewusst und lustvoll verzichtet. Die Oberfläche der hier verwendeten Keramik lohnt es dem Besitzer mit einer individuellen, unverwechselbaren Struktur, die zeitgleich eine verdienstvolle Patina entwickelt und damit Zeugnis ob ihrer langjährigen, ruhmreichen Vergangenheit gibt.
Das Ende eines langen, von Zuverlässigkeit und Treue geprägten Arbeitslebens deutet sich auf der rechts vergrößert dargestellten, nebenstehenden Abbildung an. Nach Anwendung stumpfer Gewalt gegen das beschriebene, ruhmvolle Werkstück wurde die so sorgfältig gearbeitete innere Berandung des Objektes nachhaltig beschädigt und der optische Genuss hinfort irreparabel beeinträchtigt. Auch der Kundendienst konnte das sofort eingeschickte Behältnis ohne die abgesplitterten Teile nicht fachgerecht restaurieren.

Der ungeachtet der Beschädigung fortgesetzte Gebrauch der Tasse konnte nicht ohne Folgen bleiben. Im Laufe der anschließenden Wochen vergrößerte sich die Wunde an dem einstmals so bewunderten Gefäß, ein Riss zog sich tiefer und tiefer, ein Spalt tat sich am oberen Ende auf und visualisierte das Ergebnis eines mehr als eineinhalb Jahrzehnte langen, harten Arbeitslebens. Die Trinksicherheit war ab diesem Zeitpunkt nicht mehr gewährleistet, die Zeit der Tasse abgelaufen. Die Besitzer stehen im Kontakt mit mehreren bekannten Sammlern und rennomierten Museen. Die Unesco berät zur Zeit, das ruhmreiche Stück in das Weltkulturerbe aufzunehmen.


Fazit: Das Teil ist kaputt und gehört weggeschmissen.
Die Knörrs haben also nicht mehr alle Tassen - weder im Schrank noch sonstwo.
Schade!


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[Fanpost?]

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