Der Fiat war mein 1. und geliebtestes Auto und Begründer der 1441-Dynastie. Nach gut dreieinhalb Jahren Führerschein ohne eigenes KfZ musste ich ab 1992 den Panda meiner Mutter auch noch mit meinem Bruder teilen. Ein Bekannter verkaufte den 16 Jahre alten Fiat 127 special seines Opas, und für mein gesamtes Vermögen von 2ooo DM wurde er nach einer Probefahrt mein.... was folgte war einige Jahre lang jede Menge Stolz und Freude, das klassische Feeling des Besitzers eines seltenen Autos. Das Auto wurde ausstaffiert mit einer Kühlerfigur (Quietscheente oder -krokodil, auch einen Hasen hatte ich zwischenzeitlich angeschraubt), mit einer Bonbonkiste für die Rückbank (Dank an Suse und Billa) und irgendwann sogar mit zwei Lautsprechern für die Hutablage. Die Rücksitzbank habe ich übrigens noch im Keller, sie ist mit echtem Rosshaar gepolstert. Von Andi Christ hatte ich ein aus den Siebzigern stammendes, also passendes Casettenradio geschnorrt (der Senderspeicher bestand aus kleinen Markierungen, die man per Hand an einer Leiste vor der Frequenzskala platzieren konnte). Die Bedieneinheit des Armaturenbretts bestand aus übersichtlichen drei Kippschaltern: Licht, Warnblinker und Heckscheibenheizung. Letztere war übrigens Teil der (luxuriösen) "spezial"-Ausstattung, die weiterhin Kopfstützen, einen abschließbaren, verchromten Tankdeckel und einen Rückfahrscheinwerfer umfasste und die damals einen erheblichen Aufpreis gekostet hatte. Einen rechten Außenspiegel gab es dagegen nicht.
Es folgten viele unvergessene Aktionen und Reisen: Unzählige Lobifahrten, Kreiselfahren im Kaiserlei mit den "Drillingen", eine Plakatmalaktion in Waldhof im Kofferraum (bei umgelegter Rückbank, weil es draußen regnete), und einmal war das gesamte Auto nach der Walpurgisnacht (von Meike und Nicki) verpackt worden...... das kleine 45-PS-Auto entführte Suse und Billa nach Luxemburg, fuhr nach Taizé, mehrmals nach Italien und in die Schweiz (zweimal bestaunterweise mit Fahrrädern auf dem Dach), zur Examensrecherche zweimal nach Almere/Holland, war in Berlin, .... und Tübingen. Dort stand das Auto einen Tag lang extrem unaufgeräumt am Straßenrand, schließlich fand ich einen Zettel an der Windschutzscheibe: "Gott schuf aus dem Chaos einen Kosmos. Ob er Dein Auto dabei vergessen hat?" Tja, sah ganz so aus. Trotz seiner geringen Größe konnte man durch die große Klappe wirklich viel transportieren - zum Beispiel die neue Waschmaschine, an dem Mercedes und Panda meiner Eltern gescheitert waren. Späte Satisfaktion für das ungläubige Kopfschütteln, als sie das Fahrzeug zum ersten Mal sahen ;) Ein andermal holte ich mit dem 127 für einen Sketch eine ausgediente Badewanne von einer Viehweide, in der während des Transportes auch noch Kai saß. Beim Zurückbringen am nächsten Tag wurden wir (unbemerkt) von zwei Rentnern beobachtet, denen die Münder offen standen ;) Und schließlich wurde der Fiat bei der Fotoaktion für die "mc"-Einladung liebevoll in Szene gesetzt.
Der Fiat hatte auch mehrere Namen - während sich Suses "Chiquita" nie so recht durchsetzte, war das "Zitronentörtchen" (Almut) in den letzten beiden Jahren ein feststehender Begriff. Einige Eigenheiten: Der Blinker begann mit der Pause. Die Hupe konnte nach fortgesetztem Gebrauch (Hochzeiten) erst heiser werden und dann ganz versagen, nach einer Weile erholte sie sich wieder. Jahrelang roch es in dem Auto leicht nach Vanille (von vergangenen Wunderbäumen her). Die üftung (Regler: Warm, kalt) stellte mal auf "Fußraum" um, indem man in der Wagenmitte mit der Hand eine Plastikklappe herunterklappte. Mit den Jahren gesellten sich natürlich nach und nach verschiedene Defekte dazu. Eine Auswahl: Durch ein gerissenes Zugseil der Fensterkurbel fiel, wenn man nicht aufpasste, die linke Seitenscheibe in die Tür (dann musste man die Türverkleidung entfernen). Ein defekter Magnetschalter hatte zur Folge, dass man im Motorraum mit dem Hammer an eine bestimmte Stelle klopfen musste, damit er ansprang. Der Kofferraum ließ sich irgendwann nur noch von innen (mit einem Schraubenzieher) öffnen. Wasser im Rücklicht, Plastikschrauben gebrochen. Fortgesetztes Reinregnen hinten, nachdem ich (dummerweise) die Heckklappendichtung hatte erneuern lassen, mit anschließender Lache unter der Verloursauskleidung. Die Schweißnaht an den Türunterkanten rostete irgendwann auf, so dass das in die Tür gesickerte Wasser unten wieder rauslief - wurde mit gelbschwarzem Klebeband geschlossen. Bei Feuchtigkeit musste man erst den Zündverteiler trocken auswischen damit der Fiat ansprang. Aus der Lehne der Rückbank quoll oben die Füllung heraus, so dass ich mir einen schlecht passenden Schonbezug zulegen musste.
Der Fiat verschliss neben seiner Originalausstattung auch noch zwei Pandamotoren, die ein Bekannter für mich einbaute. In Almere setzte ich den Fiat (Schande!!!) rückwärts gegen einen Baum, der Schaden betrug jedoch nicht 2ooo Euro, sondern ließ sich (im Wesentlichen) mit einigen entschlossenen Hammerschlägen (echte Chromstoßstange) beheben. Im Jahr 2ooo war ich am Faschingsdienstag bei dichtem Schneetreiben (!) auf der A3 auf dem Heimweg von Groß-Zimmern nach Offenbach, als mir meine Windschutzscheibe zerbröselte und ins Auto fiel. Da ich noch vom Klassenfest verkleidet war musste ich ganz schön frieren, bis der ADAC (der in diesen Jahren an mir sicher nichts verdient hat) kam.... Eine andere Scheibe wurde mir am Parkplatz der Anne-Frank-Schule eingeschlagen, als Diebe meinen Rucksack klauten - am nächsten Tag fand ich alles bis auf die Eddings im nahe gelegenen Waldstück wieder (dieser Rucksack wurde mir einige Jahre später am Strand von Alassio endgültig gestohlen). Viel Geld kosteten mich in den fast 1o Jahren des Fiats auch die (meist doppelten) TÜV-Besuche, von denen ich mich trotzig nicht entmutigen ließ.... oder zumindest immer nur kurzzeitig.
Zweimal wurde ich kontrolliert: Einmal mit dem über 7ojährigen Frl. Kreß an Bord, einmal nachdem ich in Darmstadt im "Lokales" die Knofipizza mit Zombiesoße genossen hatte - sehr zum Entsetzen des Beamten, der seinen Kopf durch mein Seitenfenster reinsteckte. Ein anderer Höhepunkt war Billas Hochzeit, als ich mit meinen (gerade frisch reparierten und geputzten) 127 das soeben getraute Hochzeitspaar zum Restaurant und später nach Hause fahren durfte.
Im Frühjahr 2oo2 war es schließlich so weit, dass mein treues Gefährt bzw. Motor 3 auf der Fahrt nach Inheiden endgültig seinen Geist aufgab, nachdem ich ihn tags zuvor auf dem Weg zur Frühaufsicht (...) über die Maßen gequält hatte.... seine Karriere endete an der Raststätte Wetterau bzw. auf dem Hof einer Egelsbacher Werkstatt.
Schade - ein wirklich liebenswertes, originelles Auto, das ich sicher nie vergessen werde!
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Jagst, (gefahren nur als Zweitwagen zum 127).


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